
Irgendwann kommst du mit deinem Startup an den Punkt, an dem die Aufgaben mehr werden, als eine Person allein bewältigen kann. Bevor du die erste Stellenanzeige schreibst, stellst du dich also der Frage: Welche Unterstützung bringt mein Unternehmen gerade wirklich weiter?
Denn die erste Einstellung ist mehr als nur eine Entlastung im Arbeitsalltag. Sie kann beeinflussen, wie sich das Team entwickelt, welche Aufgaben künftig übernommen werden und wie schnell das Unternehmen wachsen kann.
Eine gute erste Einstellung beginnt nicht mit dem Jobtitel, sondern mit einem Blick auf den eigenen Arbeitsalltag. Überlege dir, welche Aufgaben regelmäßig liegen bleiben, was besonders viel Zeit in Anspruch nimmt und welche Tätigkeiten jemand anderes genauso gut übernehmen könnte.
Vielleicht ist es der Kundensupport, der mehr Aufmerksamkeit braucht als geplant, obwohl dein Fokus eigentlich auf der Produktentwicklung liegen sollte. Oder Social Media nimmt immer mehr Zeit ein, obwohl deine Stärke eigentlich im Vertrieb liegt.
Genau hier liegt oft der größte Hebel: Die erste Person sollte eine konkrete Lücke im Unternehmen schließen.
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Je nach Geschäftsmodell können ganz unterschiedliche Positionen sinnvoll sein.
Vertrieb: Wenn das Produkt steht, aber neue Kund:innen fehlen, kann Unterstützung im Sales den nächsten Wachstumsschritt ermöglichen.
Produkt & Entwicklung: Bei einem technologiegetriebenen Startup kann zusätzliches technisches Know-how entscheidend sein, um das Produkt weiterzuentwickeln.
Marketing & Kommunikation: Wenn die Zielgruppe klar ist, aber Sichtbarkeit und Reichweite fehlen, kann eine Person mit Marketingkompetenz sinnvoll sein.
Operations: Manchmal liegt die Herausforderung gar nicht im Wachstum, sondern darin, den bestehenden Alltag überhaupt noch organisiert zu bekommen. Dann kann eine operative Unterstützung enorm viel bewirken.
Die wichtigste Frage lautet also nicht: „Welche Position stelle ich als Erste ein?“, sondern: „Wo liegt gerade der größte Engpass?“
Gerade in der frühen Phase muss es nicht immer eine Festanstellung sein. Für einzelne Projekte oder spezialisierte Aufgaben können Freelancer:innen oder externe Dienstleister:innen zunächst die bessere Lösung sein. Auch Werkstudent:innen können eine gute Option sein, wenn regelmäßig Unterstützung bei bestimmten Aufgaben gebraucht wird.
Eine feste Stelle lohnt sich vor allem dann, wenn die Aufgaben dauerhaft anfallen und eng mit dem Unternehmen verbunden sind.
Natürlich sind fachliche Qualifikationen wichtig. Gerade in einem kleinen Startup zählen aber auch andere Dinge.
Die Person sollte selbstständig arbeiten, Verantwortung übernehmen und sich auf Veränderungen einstellen können. Schließlich sollte jemand zu dir ins Team kommen, dem du nicht die ganze Zeit über die Schulter schauen musst – das wäre schließlich nicht der Sinn der Sache.
Gleichzeitig sollte „passt ins Team“ nicht bedeuten, dass alle gleich ticken. Gerade unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten können ein junges Unternehmen stärker machen.
Nur nach Sympathie einstellen: Ein gutes Bauchgefühl ist wichtig, ersetzt aber nicht die Frage, was die Person fachlich und persönlich mitbringen soll.
Eine unrealistische Allround-Stelle schaffen: Marketing, Vertrieb, Buchhaltung, Social Media und Kundenservice in einer Position? Das klingt flexibel und abwechslungsreich, macht die Suche nach der passenden Person jedoch unnötig schwer.
Zu spät Unterstützung holen: Suche nicht erst jemanden, wenn du vor Arbeit fast ertrinkst. Vergiss nicht, dass du die Person auch einarbeiten musst. Das wird schwierig, wenn alles am besten vorgestern und natürlich fehlerfrei fertig sein soll.
Wer zuerst eingestellt werden sollte, hängt deshalb weniger von allgemeinen Startup-Regeln ab als vom eigenen Geschäftsmodell und der aktuellen Situation.
Schau dir an, was dein Unternehmen gerade bremst, welche Aufgaben du abgeben kannst und welche Kompetenz bisher im Team fehlt. Daraus ergibt sich meist schnell, welche Unterstützung wirklich sinnvoll ist.
Und manchmal lautet die richtige Antwort eben nicht: „Wir brauchen jetzt eine Vollzeitkraft.“, sondern: „Wir brauchen zunächst eine andere Lösung.“
Denn beim Hiring geht es nicht darum, möglichst schnell ein großes Team aufzubauen. Es geht darum, die richtigen Fähigkeiten zur richtigen Zeit ins Unternehmen zu holen.